Am 4. Mai lud die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zum Symposium „Step into Liquid: Fine Art Ink-Jet Printmaking – der Tintenstrahldruck als künstlerisches Medium“ nach Düsseldorf. Der Titel der Veranstaltung und ein Zitat Wolfgang Tillmansversprachen eine kunsttheoretische Diskussion. Die Themen der Vorträge gaben einen eher technisch – restauratorischen Ansatz wieder. Anlass gab eine Ausstellung Wolfgang Tillmans im Ständehaus mit großformatigen Tintenstrahldrucken.

Ausstellung Wolfgang Tillman im Ständehaus Düsseldorf. Mai 2013
Ausstellung Wolfgang Tillman im Ständehaus Düsseldorf. Mai 2013

Wolfgang Tillmans präsentiert in Düsseldorf einen Überblick über sein bisheriges Schaffen. Die Kuratorin der Ausstellung Dr. Isabelle Malz und die verantwortliche Restauratorin Nina Quabeck gaben einen Einblick in die Konzeption und Umsetzung der Ausstellung. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten wurden extra für diese Ausstellung neu gedruckt. Es handelt sich um Museumsanfertigungen, die nach der Ausstellung vernichtet werden. Wolfgang Tillman druckt seine Arbeiten in seinem Studio in Berlin selbst.

Den ersten Vortrag am Nachmittag hielt Nina Quabeck. Sie gab eine kurze Einführung in das Thema Tintenstrahldruck im Museum und den Umgang mit den sensiblen Drucken.

Im zweiten Vortrag gab Rita Hofmann, Director of Technology and Development, ILFORD Imaging, einen Überblick über die Geschichte des Tintenstrahldrucks, die unterschiedlichen Ink-Jet-Druckmaterialien und deren Eigenschaften. Sie verdeutlichtete die Komplexität und Vielfalt der Materialien und die Auswirkungen auf Haltbarkeit und visuelle Qualitäten. Für den Künstler bedeutet die Vielfalt der Materialien einerseits eine immense gestalterische Freiheit, andererseits aber auch eine Ungewissheit in Bezug auf Verarbeitung und Haltbarkeit. Die Frage der Haltbarkeit und Empfindlichkeit war ein durchgängiges Thema der Veranstaltung.

Für die Firma RECOM ART berichtete Sven Schönauer aus der Erfahrungswelt des Druckdienstleisters. Ein amüsantes Video von den ersten Druckerfahrungen mit dem Stork Printer vor 20 Jahren erschien wie ein Produktionsbericht der Flintstones. In wenigen Jahren haben sich die Produktionsbedingungen und Qualitäten gewaltig verbessert. Dennoch führen Ungenauigkeiten bei der Produktion und Konfektionierung der Materialien zu kostenintensivem Ausschuss. Die Empfindlichkeit der Materialien, das Zusammenspiel und Handling von Druckern, Papieren und Tinten erfordern ein hohes Maß an Erfahrung und eine stringente Qualitätskontrolle.

Martin Jürgens, Fotorestaurator am Rijksmuseum Amsterdam, beleuchtete in seinem vorzüglichen Vortrag den Umgang sowohl mit dem Begriff „Inkjet Print“, wie auch mit den realen Drucken. Er plädierte für eine klare Bezeichnung der Technik im Ausstellungsalltag und wies auf die fragwürdige Verwendung von Hersteller- und Markennamen bei den Wandetiketten hin.

Interessant war auch sein Hinweis auf die veränderte Erwartungshaltung an die technische Perfektion eines Bildes. War man in der analogen Fotografie durchaus bereit, Retusche als erkennbaren Teil des finalen Bildes hinzunehmen, so fehlt beim digitalen Print diese Akzeptanz. Bildbearbeitung und Retusche haben in der Druckvorstufe stattzufinden. Der digitale Print muss technisch perfekt und makellos sein.

Dies führt entsprechend zu höchsten Ansprüchen an den Umgang und die Restauration dieser Werke. Martin Jürgens ging im weiteren Verlauf auf den restauratorischen Aspekt des Inkjet Prints ein. Den Restauratoren legte er die Anschaffung von Lehrsammlungen nahe. Die Identifikation der Drucke führt zum Verständnis ihrer technischen Zusammensetzung und ermöglicht so das Wissen für den richtigen Umgang mit ihnen. Aufgrund der Empfindlichkeit der Oberflächen ist bei einer anstehenden Restauration oft nur der Neudruck möglich, soll der Anspruch des „perfekten“ Bildes umgesetzt werden.

Für die Herstellung oder den Ankauf empfiehlt er die „Technik-Dokumentation für Fotografien“ vom American Institute for Conservation of Historic & Artistic Works, um wesentliche Informationen zur Entstehungsgeschichte, -materialien und -techniken fotografischer Arbeiten zu erhalten. Als didaktische Anlaufstelle zum Tintenstrahldruck empfiehlt Jürgens die Website des DP3 Projects.

Und hier seine Empfehlungen zum Tintenstrahl:

  • Gehe bei unbekannter Tinte und Papier davon aus, dass der Druck sehr lichtempfindlich sein kann
  • Ausstellen nur mit UV-Schutz
  • Lagerung: kühl, trocken, dunkel, geschützte Oberfläche
  • Rahmen, Hüllen und Mappen schützten vor Luftzug und O2 und O3
  • Transport mit Schutz vor schwankendem Außenklima
  • Wenn überhaupt Restaurierung, dann keine Behandlung mit Wasser

Seine allgemeinen Empfehlungen:

  • Schäden sind meist irreversibel daher präventiv arbeiten
  • Digitaldrucke sind NICHT beliebig wieder herstellbar
  • Behandle jeden Druck wie ein Original
  • Nehme bezüglich der Haltbarkeit immer eine Position der Vorsicht ein
  • Erweitere bestehende Datenbanken, um neue Verfahren aufzunehmen
  • Bleibe auf dem Laufenden

Resümee

Das Symposium hat den Blick auf den restauratorischen Umgang mit dem Tintenstrahldruck geschärft und man darf den Veranstalterinnen danken. Über 150 Anmeldungen zu der Tagung haben gezeigt, dass das Interesse an dem Thema groß ist. Die mit dem Titel und dem Zitat geweckte Erwartung wurde allerdings nicht erfüllt.

1 “We have arrived at a point where a large proportion of “painting” is actually ink-jet printing. This is an amazing fact. But, almost as astonishingly, it is never really talked about. A photographic ink-jet print on paper, an iPad drawing printed on ink-jet paper, and an original design printed on ink-jet paper are all technically exactly the same. Perhaps it’s time to rethink the remarkably persistent categorization of artworks. In my view, we are all making pictures“
(Wolfgang Tillmans 2012)