Eine Art Schöpfungsgeschichte

: Als ich im Sommer 1995 das digitale Fine-Art-Printing erfand, ahnte ich nicht, daß andere Menschen, tausende Meilen von mir entfernt, seit Jahren die gleiche Sache bereits erfolgreich anwendeten. Damals arbeitete ich, angestellt in einem Berliner Fotofachlabor, seit einem knappen Jahr als Operator eines blauen rechteckigen Kastens mit abgeschrägter Deckelfront, der scheinbar für Kubricks Discovery erschaffen wurde, dann aber glücklicherweise auf der Erde blieb. Auf wundersame Weise sprühte diese Maschine Abbilder digitaler Codes Zeile für Zeile in atemberaubender Qualität auf Papier. Das Trägermaterial für diese Abbilder war kein Papier im traditionellen Sinn, sondern eher Plastik (womit wir ja eigentlich schon bei der Kunst wären): eine semi-matte oder glänzende Oberfläche, resin-coated, – ähnlich der ordinärer C-Prints. Oberflächlichkeiten solcher Art mochte ich nicht. Als Fotograf belichtete ich konsequenterweise fast ausschließlich Schwarz-Weiss-Filme, zu deren Vergrößerung es bis Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine befriedigende Auswahl schöner Papiere gab. Noch schönere Papiere aber, die sah ich in Druckereien. Voller Sehnsucht blätterte ich in den umfangreichen Musterkollektionen der zahlreichen Anbieter und imaginierte die Kontakte meiner vergangenen Lieben auf Grund warmtoniger Fasern. Was wäre wohl wenn …?Aber das ist eine alte Geschichte, Kunstgeschichte sozusagen, die an anderer Stelle weitererzählt werden wird. Hier werde ich darüber schreiben, dass mit der gleichen Fragestellung eine neue Geschichte ihren Anfang nimmt, nämlich die der Neukonzeption der Artificial Image Website. Eigentlicher Anfang dieser Geschichte ist eine Bemerkung Yoram Blumenbergs, mit dem ich seit den Anfängen meiner Fine-Art-Printmaker-Karriere befreundet bin. “Du brauchst einen Blog”, behauptet Yoram und ich frage: Warum? “Weil du dann aktueller berichten kannst und weniger Arbeit mit dem editieren deiner Einträge hast und weil ich dir schon vor Jahren sagte, dass es suchmaschinen-freundlichere Lösungen wie dein Content Management gibt.” Das sind genügend stichhaltige Argumente, um wenigstens mal darüber nachzudenken. Einige Tage später berichtet Yoram über die RE:PUBLICA und drückt mir ein Exemplar des Kongress-Magazins PRINT IST TOT in die Hand. Zwei Tage später sitze ich vor der Hubertuslounge (wo ich diesen Text in mein PowerBook tippe und via WLAN poste), lese interessiert die Artikel dieses Magazins, blinzle in die Sonne und frage mich, was wäre wohl wenn …The future is unwritten. Oder folgt alles einer geheimnisvollen Matrix, des Unbewussten vielleicht, der Struktur neuronaler, in früher Kindheit festgelegter Netze? Verwirklichen sich Ideen, treffen sich die Akteure zur rechten Zeit am rechten Ort. Ist alles was entsteht ein Zufall, was von heute an, rückwärts betrachtet, als logische Konsequenz erscheint…
should be continued